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Die beleidigte Leberwurst und andere Wege, wie Frauen ihren Partner manipulieren


 

Ich war eine Meisterin des Manipulierens. Ich nutzte gern Psychotricks, um meinen Willen in einer Beziehung durchzusetzen. Ich fühlte mich als Gewinnerin, wenn man(n) zu mir sagte „Am Ende machen wir es doch eh immer so, wie du willst.“ Heute bin ich schlauer.


Kurzfristig bekam ich durch manipulative Techniken zwar das, was ich wollte. Langfristig riskierte ich mein Beziehungsglück. Das Spielen von Spielchen dieser Art entfernte mich von meinem Partner. Ich kreierte Frustration und Distanz statt Liebe und Verbundenheit. Ich führte keine Beziehung auf Augenhöhe. Am Ende fühlten wir beide uns in unseren Wünschen und Bedürfnissen nicht respektiert und gehört.


Im Folgenden habe ich meine drei beliebtesten Manipulationstechniken zusammengetragen. Schau mal, ob auch du dich darin wiederfindest.




Manipulationstechnik Nr. 1: Die beleidigte Leberwurst spielen


Stell dir vor, dein Partner vergisst eine dir wichtige Sache. Er verhält sich nicht wie erwartet oder sagt etwas, das dich verletzt. Oder er äußert einen lustigen Kommentar über deine neue Frisur. Vielleicht ist den Partner auch wie meiner und lädt noch ein paar seiner Freunde zu eurem romantischen Paarabend ein. Oder er vergisst dein Muttertagsgeschenk.


Nimmst du ihm das übel, schmollst, bist beleidigt und redest nicht mehr mit ihm?


Insgeheim strafst du damit deinen Partner ab. Du schmollst, weil er sich bei dir entschuldigen und das Geschehene wieder gutmachen soll. Außerdem soll es ihm eine Lehre sein, damit er denselben Fehler nicht zweimal begeht. Du möchtest damit sein Verhalten beeinflussen. Du manipulierst.


Und oft funktioniert das sogar. Deshalb machen wir es ja so gern. Wir bekommen, was wir wollen. Kurzfristig. Doch die Sache hat leider einen Haken:


Dein Partner findet dein Verhalten alles andere als angemessen. Er ist zunehmend genervt von deiner kindischen Art und Weise. Anziehend wirkt das auf keinen Fall. Damit erschaffst du keine Nähe. Im Gegenteil: Frustration und Distanz bauen sich zunehmend zwischen euch auf.


Du wünschst dir eine Beziehung auf Augenhöhe? Warum verhältst du dich dann wie ein bockiges kleines Kind und nicht wie eine erwachsene Frau?


Weil du vielleicht nicht anders kannst. Denn so ein Verhalten läuft oft unbewusst ab. Wie automatisiert rutschst du in den Schmollmodus. Manchmal sogar stunden- oder tagelang. Und selbst, wenn du wölltest, schaffst du es nicht, über deinen Schatten zu springen und dich daraus zu befreien.


Was ist passiert? Dein Gehirn befindet sich gerade im Verteidigungsmodus. Du wurdest zurückgewiesen, abgelehnt und dein Selbstwert angegriffen. Sofort springt dein eingebauter Schutzmechanismus an: Du gehst in die Starre und schmollst.



Manipulationstechnik Nr. 2: Vor vollendete Tatsachen stellen


Auch zu dieser Manipulationstechnik könnte ich dir zahlreiche Beispiele aus meinem eigenen Beziehungsleben nennen. Ich bin nicht stolz drauf.


Stell dir vor, du hast dir eine Idee in den Kopf gesetzt. Und du weißt, dass sie bei deinem Partner auf wenig Begeisterung stößt. Da all deine mehr oder weniger subtilen Überzeugungskünste nicht fruchten, machst du eines Tages Nägel mit Köpfen. Du stellst deinen Partner vor vollendete Tatsachen.


Eine Klientin von mir wollte zum Beispiel gern das Wohnzimmer umgestalten. Ihr Partner nicht. Keines ihrer Argumente konnte ihn überzeugen. Als er sich eines Tages auf Dienstreise begab, nutzte sie ihre Chance:


Sie entsorgte heimlich den Großteil der Möbel, strich die Wände neu und ging shoppen. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen.


Als ihr Partner von seiner Reise zurückkam, hielt sich seine Begeisterung allerdings in Grenzen.


Er fühlte sich ignoriert und übergangen. Zwar hatte meine Klientin nun ihren Wohntraum verwirklicht, aber zu welchem Preis?


Manipulationstechnik Nr. 3: Ein Drama inszenieren


In Paarkonflikten zeigte ich gern eine gewisse Theatralik und inszenierte mich als Dramaqueen. Verhältst du dich zum Beispiel in einem Konflikt betont lautstark oder wild gestikulierend? Oder rollen bei dir schnell mal die Tränen?


Hinterfrage doch mal, warum du das tust. Welches Ziel verfolgst du (bewusst oder unbewusst) mit diesem Verhalten? Überprüfe für dich, ob es nicht doch eine Manipulationstechnik sein könnte, um deinen Willen durchzusetzen.


Dein Partner steht dem Verhalten hilflos und überfordert gegenüber und gibt schließlich schuldbewusst oder entnervt nach. Ziel erfüllt. Wirklich?



Was steckt hinter den Manipulationstechniken?


Na, hast du dich in einer der Verhaltensweisen wiedergefunden?


Falls ja, lass dir sagen, dass dieses Verhalten sehr menschlich und nachvollziehbar ist.


Hinter manipulativen Techniken stecken das Unvermögen und die Sorge, offen über Wünsche und Bedürfnisse mit deinem Partner zu sprechen. Die Angst vor Zurückweisung und Ablehnung ist groß. Du suchst nicht das offene Gespräch, weil es unangenehm werden könnte. Stattdessen spielst du Spielchen.


Warum? Nun, weil sie funktionieren. Du hast die Erfahrung gemacht, dass du so einfach und schnell bekommst, was du willst. Dieses bereits in deiner Kindheit erlernte Verhalten setzt du mangels besserer Alternativen im Erwachsenenleben fort. Alles andere wäre ja auch zu anstrengend. Vollkommen logisch, oder? Und absolut menschlich.


Doch, was wäre, wenn du euch durch dieses Verhalten die Chance nimmst, mehr Liebe und Verbundenheit in eurer Beziehung zu erschaffen? Du erreichst zwar, was du willst. Deinem Partner kommst du allerdings nicht näher. Im Gegenteil.


Auch nimmst du euch die Chance, Dankbarkeit in der Beziehung zu zeigen. Die Worte „Danke, dass du das für mich tust.“ wirken Wunder in einer Partnerschaft. Allerdings wirst du sie wohl kaum sagen, wenn dein Partner deinen Wunsch nur erfüllt hat, weil du eine Manipulationstechnik eingesetzt hast.


Was würde passieren, wenn du deinen Fokus neu ausrichtest? Statt dich auf das zu konzentrieren, was DU willst, versuche deinen Partner zu verstehen:


Was hat ihn zu seiner Meinung bewogen? Warum hat er sich so verhalten?


Bleibe neugierig. Vergiss mal kurz deine Vorannahmen. Du könntest damit falsch liegen. Frage ihn stattdessen:


  • Wie meintest du das, als du sagtest, ich sei …?

  • Ich bin verwirrt. Kannst du mir helfen, dein Verhalten zu verstehen?

  • Warum möchtest du das nicht? Welche Gründe sprechen deiner Meinung nach dagegen?

So kreierst du eine offene Gesprächsatmosphäre, in der ihr euch beide gehört und respektiert fühlt.


Geh davon aus, dass dein Partner einen guten Grund für sein Verhalten und seine Meinung hat.

Geh davon aus, dass er nur das Beste für euch beide möchte.

Geh davon aus, dass Liebe und Verbundenheit zwischen euch vorhanden sind.


Gelingt dir das, wird dein Partner nicht selten von sich aus bereit sein, deine Wünsche zu erfüllen. Ganz ohne manipulative Techniken. Einfach nur aus Liebe zu dir.



Über die Autorin


Hi, ich bin Katrin Mähler. Als Psychologin und Paartherapeutin arbeite ich online als Beziehungscoach und zeige Frauen im 1:1-Gespräch, wie sie wieder Erfüllung in ihrer Partnerschaft finden können.


Mit meinem Mann und meinen beiden Kindern lebe ich in meiner Wahlheimat Dresden.


Ich liebe Kaffee und Schokolade und bin bekennender Serien-Junkie.


Mehr zu meinem Coachingprogramm erfährst du hier.


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