Suche

So trennt Frau sich heute (Trennung 2.0)


 


Neulich meinte eine Klientin mit Tränen in den Augen zu mir: „Ein Paar, dass sich oft streitet, sollte sich besser trennen.“


Als Paartherapeutin und Beziehungscoach werde ich oft gefragt, wann man sich lieber trennen sollte. Gehen oder Bleiben? Diese Frage begleitet meine Klientinnen meist schon sehr lang und sorgt nicht selten für schlaflose Nächte. Meine Antwort dazu mag überraschen:


Geh, wenn du willst! Aber geh erst, wenn ihr aufgehört habt, euch zu streiten und du deinen Partner wieder respektierst und liebst.




‚Hä? Wie bitte?‘, wirst du jetzt vielleicht denken. Ja, du hast richtig gelesen. Im Folgenden stelle ich dir meine etwas andere Schritt-für-Schritt-Anleitung für eine Trennung vor – und das ganz ohne Rosenkrieg.

Spar dir den Rosenkrieg!

Üblicherweise geht einer Trennung ein langer Kampf voraus. Wut und Aggression zeigen sich manchmal offen, manchmal verdeckt. Man streitet sich wegen jeder Kleinigkeit, schreit sich an, verletzende Worte fallen und hinterlassen tiefe Wunden, Tränen der Verzweiflung fließen oder man geht sich in tagelanger Funkstille aus dem Weg.

Fast scheint es, als würde ein Partner die Trennung regelrecht provozieren wollen, indem er oder sie Konflikte aus dem Nichts hervorruft, lügt oder hintergeht und so den anderen langsam aber sicher schier zum Wahnsinn treibt.

So kann die Trennung später vor sich selbst und anderen wunderbar gerechtfertigt werden:

„Seht her! Unsere Probleme wurden einfach zu groß. Wir mussten uns schließlich trennen.“

Clever, nicht? Logisch, dass sich die Trennung dann wie ein Befreiungsschlag anfühlt. Oft ist dies auch ein Versuch, die mit einer Trennung einhergehenden Schuldgefühle nicht fühlen zu müssen.

Funktioniert nur leider nicht.

Trennung ist immer eine Option

Es ist wichtig, dass du weißt: Du könntest dich jederzeit trennen. Trennung ist immer eine Option.

Es gibt allerdings gute Gründe dafür, deine Beziehung nicht in einem Rosenkrieg enden zu lassen, bevor du diesen Weg gehst:

3 Gründe, weshalb es Sinn macht, deine Beziehung nicht zu zerstören, bevor du dich trennst

Grund 1: Du bleibst deinen Werten treu.

Du bleibst dir und deinen Werten treu. Wie heißt es so schön? In der Trennung zeigt der Mensch sein wahres Ich. Frage dich: Wer möchte ich gern sein? Wie möchte ich von anderen gesehen werden?

Zeige Respekt vor der gemeinsamen Zeit, die ihr miteinander verbracht habt. Nicht alles war schlecht. Und dein Partner ist höchstwahrscheinlich auch kein schlechter Mensch.

Immerhin wart ihr auch einmal ineinander verliebt. Erinnerst du dich? Schmetterlinge im Bauch, stundenlange Gespräche bis tief in die Nacht, nicht die Finger voneinander lassen können, wunderschöne liebevolle Worte.

Ja, es gab auch gute Tage.

Grund 2: Für eure Kinder wird die Trennung weniger schmerzhaft.

Insbesondere wenn ihr gemeinsame Kinder habt, bleibt ihr ein Elternpaar, auch wenn eure Zeit als Liebespaar vorüber ist. Gemeinsame Absprachen können leichter getroffen werden, wenn ihr weiterhin respektvoll miteinander umgehen könnt und euren Kindern wird die Trennung so auch weniger schwerfallen.

Sicher kennst auch du Elternpaare, die nach einer Trennung ihre nicht gelösten Konflikte auf dem Rücken der Kinder austragen. Selbst wenn du dir noch so große Mühe gibst, spüren Kinder die Spannungen zwischen euch trotzdem und leiden darunter.

Bedenke! Auch wenn du es momentan nicht mehr tust, deine Kinder lieben deinen Partner noch.

Grund 3: Du vermeidest einen Krieg.

Eine Trennung kann für den Zurückgebliebenen durchaus eine traumatische Erfahrung sein und eine Lebenskrise auslösen.

Kennst du den Spruch „hurt people hurt“?

Wenn es dir allerdings gelingt, respektvoll in Liebe zu gehen, dann wird es deinem Partner leichter fallen, seinen Trennungsschmerz zu verarbeiten. Er wird es weniger als Angriff auf seinen Selbstwert sehen und muss daher nicht zur Verteidigung in den typischen Kampf-oder-Flucht-Modus verfallen.

Ihr könnt euch weiterhin als zwei erwachsene Menschen auf Augenhöhe begegnen, ja sogar Freunde bleiben.

Persönlichkeits­­entwicklung Uplevel

Es ist möglich, sich in Liebe und Respekt voneinander zu trennen. Hier zeigt sich, wie gut du dich wirklich kennst. Und glaube mir, da geht meist noch was.

Du meditierst bereits täglich, liebst Journaling, hast Dutzende Bücher zum Thema Persönlichkeitsentwicklung gelesen und in deiner Podcast-Mediathek finden sich so einige Mindset-Gurus? Wunderbar! Das ist ein guter Anfang.

Jetzt kümmere dich im nächsten Schritt um dein Auftreten in deiner Beziehung. Da gibt es sicher noch den ein oder anderen blinden Fleck zu beleuchten.

Arbeit an unseren Beziehungen ist Persönlichkeitsentwicklung Uplevel. Frage dich:

Welchen Anteil habe ich an unseren Paarproblem? Weshalb läuft es nicht so, wie ich es mir wünsche?

Und nein, das liegt nicht allein an deinem Partner. Du bist noch nicht am Ende deines Weges zur Selbsterkenntnis angelangt, wenn …

  • Du dich von deinem Partner noch provozieren lässt und es häufig Streit gibt.

  • Du das Gefühl hast, dich in deiner Beziehung nicht frei entfalten zu können und häufig wütend auf ihn bist.

  • Du dich wie auf Zehenspitzen um deinen Partner bewegst, um ja keinen Ärger zu haben.

  • Du denkst, er sollte endlich mal an sich arbeiten und du keine Lust mehr auf die ganze Beziehungsarbeit hast.

Na? Erkennst du dich wieder?

Mir ging es früher nicht anders. Ich habe geglaubt, dass ich mich schon sehr gut kenne. Immerhin habe ich ein Psychologiestudium, eine Therapieausbildung und meterlange Regalreihen voller Fachliteratur vorzuweisen. Doch dann lernte ich meinen Mann kennen. Er hat mir einen Spiegel vorgehalten.

Heute weiß ich, dass du dein wahres Ich erst innerhalb deiner Beziehungen wirklich kennenlernst, vorausgesetzt, du lässt es zu.

Doch leider verstecken wir uns allzu oft hinter unseren Schutzschildern, nicht selten sogar ein Leben lang. Lerne zunächst, welche das sind und wie du sie ablegen kannst. So kann eine Trennung eine echte Chance für dein persönliches Wachstum sein.

Damit dir das gelingt, empfehle ich die folgenden Schritte:

Meine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Trennung

Schritt 1: Entscheide dich! Gehen oder Bleiben?

Entscheide dich, dass du gehen willst und bestimme, wann du gehst. Vermeide es, dem schnellen Dopamin-Kick hinterher zu jagen, den eine Trennung gegebenenfalls mit sich bringt – auch wenn du es kaum erwarten kannst, die nervigen Konflikte endlich hinter dir zu lassen und die ersehnte Freiheit zu spüren.

Gehe stets ruhig und besonnen, nicht in Eile und ohne Druck (vorausgesetzt, Gewalt oder extrem grenzverletzendes Verhalten sind kein Thema in deiner Beziehung).

Du könntest zum Beispiel beschließen, in 6 Monaten das Gespräch mit deinem Partner zu suchen und die Trennung zu verkünden. Aber erzähle ihm zunächst noch nichts von deinen Plänen.

Schritt 2: Beende das Drama in deinem Kopf

Finde eine innere Haltung, die es dir erlaubt, in Liebe und Respekt und ohne Schuldgefühle, Angst, Wut oder gar Hass zu gehen.

Frage dich: Angenommen, ich würde noch 5 Jahre in dieser Beziehung bleiben, wie kann ich einen Weg finden, in dieser Zeit dennoch glücklich zu sein?

So lange du glaubst, dass du nur durch eine Trennung wieder zufrieden und glücklich werden kannst, bist du noch nicht wirklich bereit zu gehen. Denn wie heißt es so oft: Finde das Glück in dir und nicht im Außen. Ich weiß, dies ist leichter gesagt als getan.

Aber vielleicht bist du ja auch schon gut auf dem Weg und hast in den letzten Jahren bereits intensiv an dir gearbeitet. Weiter so! Lies gern Bücher zum Thema, höre passende Podcasts oder suche dir einen Coach.

Du bist bereit zu gehen, wenn du deine Entscheidung vor niemandem rechtfertigen musst. Du musst dich auch nicht zum Opfer machen und deinen Partner vor anderen schlechtmachen.

Beschwerst du dich noch in stundenlangen Telefonaten mit deiner Freundin über ihn? Sind eure Streits fast schon filmreife Vorstellungen?

Lass dieses Drama sein! Auch das ist einfacher gesagt als getan. Weiß ich doch.

Schritt 3: Überprüfe deine Entscheidung

Sobald du dich endlich wieder frei fühlst und dein Selbstvertrauen gewachsen ist, überprüfe deine Entscheidung aus Schritt 1 noch einmal. Jetzt, wo all das Drama in deinem Kopf weg ist und du weder Wut noch Schuldgefühle spürst, wirst du klarer sehen können:

Möchte ich mich wirklich trennen? Oder möchte ich doch lieber bleiben?

Beides ist möglich.

Du bist bereit, zu gehen, wenn du deine Gründe dafür magst und sagen kannst:

„Ich gehe. Einfach weil ich es möchte. Punkt.“

Schritt 4: Die strategische Planung der Trennung

Bereite nun die Trennung strategisch vor. Wann genau und wie möchtest du die Trennung vollziehen? Lasst euch für diesen Prozess bitte genug Zeit. Du musst nicht sofort ausziehen oder die Koffer deines Partners vor die Tür stellen.

Plane den ehrlichen, offenen Dialog. Sage ihm zum Beispiel, dass du in 3 Monaten gehen wirst und wie du die folgenden Wochen gestalten möchtest.

Frage dich auch, wie er wahrscheinlich darauf reagieren wird? Spiele mögliche Szenarien schon vorher in deinem Kopf durch. Dieser Weg wird für euch beide nicht leicht werden.

Übe daher gern auch im Voraus deine Gefühle zu fühlen, die wahrscheinlich kommen werden. Dann ist die Gefahr, dass du von ihnen überrascht und überwältigt wirst, nicht so groß.

Vermeide unnötige Dramatisierungen. In Schritt 2 hast du das bereits gelernt.

Es kann natürlich dennoch sein, dass dein Partner dramatisch reagiert. Das ist in so einer Situation völlig normal. Unterstütze ihn dann beim Durchleben seines Schmerzes, wenn du kannst. Sei für ihn da, wenn er dich zur Klärung seiner eigenen Gedanken und Gefühle braucht. Zeige Mitgefühl.

Ja, es dürfen auch Tränen fließen. Schön wird es definitiv nicht.

Ich fasse zusammen: Eine gut vorbereitete Trennung geschieht selbstbewusst und ohne Eile. Du magst und respektierst deine Gründe dafür. Du stehst zu deiner Entscheidung und gibst dir und deinem Partner Raum, das Erlebte zu verarbeiten.

Und manchmal kommt es auch anders als gedacht:

Wenn du doch bleiben möchtest

Möglicherweise entscheidest du dich auch wider Erwarten während des Prozesses, dass du bleibst.

Du weißt ja jetzt, wie du Glück und Zufriedenheit von innen heraus gestalten kannst und du hast eine respekt- und liebevolle Beziehung kreiert. Streits haben Gesprächen auf Augenhöhe Platz gemacht. Ihr redet endlich offen und ohne Vorwürfe über eure Verletzungen und habt euch dabei lange nicht mehr so verbunden gefühlt.

Ihr räumt gründlich auf, legt eure Schutzschilder nieder und begegnet dabei euch selbst.

Auch wenn du schließlich bleibst, ist es wichtig, dass du deine ehrlichen Gründe dafür kennst und magst.

Für viele Frauen ist es ein legitimer Grund, in einer Beziehung zu bleiben, um gemeinsam die Kinder großzuziehen. Sie möchten ihren Partner erst verlassen, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Ich habe stets großen Respekt vor solch einer Entscheidung. Ich bin selbst als Scheidungskind aufgewachsen. Es war auch stets mein Wunsch, meinen Kindern ein Zuhause mit beiden Elternteilen zu ermöglichen UND dabei glücklich zu sein.

Zurück zu unserem Ausgangssatz: „Ein Paar, dass sich oft streitet, sollte sich besser trennen.“

Meine Klientin weiß inzwischen, dass hinter Streit noch Drama steckt. Gemeinsam arbeiten wir an ihrer Fähigkeit, sich zufrieden und erfüllt innerhalb ihrer Partnerschaft zu fühlen und unnötige Dramen zu vermeiden.

Ob sie sich anschließend trennt oder nicht? Dies ist allein ihre Entscheidung. Und egal, welchen Weg sie wählen wird, sie wird diesen mit neuem Selbstvertrauen gehen und ihre Gründe mögen.




Über die Autorin




Hi, ich bin Katrin Mähler. Als Psychologin und Paartherapeutin arbeite ich online als Beziehungscoach und zeige Frauen im 1:1-Gespräch, wie sie wieder Erfüllung in ihrer Partnerschaft finden können.


Mit meinem Mann und meinen beiden Kindern lebe ich in meiner Wahlheimat Dresden.


Ich liebe Kaffee und Schokolade und bin bekennender Serien-Junkie.


Mehr zu meinem Coachingprogramm erfährst du hier.

Folge mir auch gern auf Instagram.